Heinrich Kämmerer von Fahner

 





Prof. Dr. J. Diefenbacher beschreibt das Amt des Kämmerers wie folgt:

Der Kämmerer ist Verwalter des herrschaftlichen Schatzes; ihm ist der Schlüssel zu den Schatzkammern (lt. camera = Gewölbe) anvertraut. Er besorgt alle Bezahlungen des Hofhaltes, nimmt die Geschenke und Abgaben in Empfang und verteilt solche an die Gäste. Ihm wird das Wachs gebracht, das zu den Siegeln verwendet werden soll. Er hat die Obhut über alle Vorräte, die unmittelbar zur Verwendung kommen sollen; infolgedessen ist er der Aufsichtsbeamte über alle, die diese Vorräte zu liefern haben: Kaufleute, Handwerker, Münzer und Wachszieher. Ihm ist auch die Obhut über die kostbaren Kleider und das gesamte Mobiliar übertragen. Er besorgt daher hauptsächlich das Aufschlagen der Tische und Stühle bei den Festlichkeiten. Während eines Festmahls hat er seinen Platz an der Tür, um jeden Eintretenden überwachen zu können; denn für die Ordnung im Hause ist er ebenso verantwortlich wie der Marschall für die außerhalb desselben. Vor der Mahlzeit lässt er den Gästen, durch die unter seiner Obhut stehenden Edelknaben (tumbe oder kamerære) das Waschwasser reichen. Außer den Edelknaben hat der Kämmerer noch gewöhnliche Knechte (kamerknechte) unter sich. (In gekürzter Form aus: Deutsches Leben im 12. & 13. Jahrhundert, Sammlung Göschen, 1914)

Heinrich von Fahner (Vanre) entstammt einem altritterlichen Geschlecht, benannt nach seinem Stammgut Fahner (heute Großfahner zwischen Erfurt und Gotha). Am 9. Juni 1178 wird erstmals ein Kämmerer Hermann unter Ludwig III. Landgraf von Thüringen in einer Naumburger Urkunde erwähnt. Der Titel des landgräflichen Kämmerers überträgt sich von da an auf die weiteren Generationen. Auch nach dem aussterben des letzten Thüringer Landgrafen aus dem Haus der Ludowinger, Heinrich Raspe (1247), bleibt ihnen diese Würde unter den neuen Landesherren, den Wettinern, erhalten.

Genaue Lebensdaten von Heinrich sind nicht bekannt. In verschiedenen Urkunden ist er in den Jahren 1292 bis 1317 nachweisbar, so zum Beispiel am 8. Juni 1300 in Großenhain:

„Friedrich, Markgraf von Meissen und im Osterland, schenkt dem Kloster Sankt Asra zu Meissen 7 Hufen bei dem Dorfe Boila und im Bezirke von Großenhain gelegen.“ In der Zeugenliste ist unter anderem Heynricus camerarius de Vanre aufgeführt.

Im Oktober 1317 kommt es in Gotha zur Ausstellung einer Urkunde in der Landgraf Friedrich der Freidige mit Zustimmung seiner Gemahlin Elisabeth, seines Sohnes Friedrich und seiner Tochter Elisabeth dem Kreuzkloster zu Gotha 7 ½ Hufen Land nebst 5 Höfen und Zubehör in Tüttleben übereignet. Unter anderen werden als Zeugen Heinrich, camerarius von Fahnern, Eberhard von Malsleben, Kunemund von Malsleben und Hermann Goldacker als landgräflicher Marschall genannt.

Kämmerer