Marschall Hermann Goldacker

 





Prof. Dr. J. Diefenbacher beschreibt das Amt des Marschalls wie folgt:

Marschall (marschalch, marschalc) bedeutet eigentlich Pferdeknecht (aus marc und skalk gebildet). Nach der Instruktion Friedrichs II. (haec sunt, quae spectant ad officium marescalli) unterliegt der Stall mit allem Zubehör an Sattelzeug wie Knechten seiner Aufsicht.

Da er die Heerespolizei ausübt, sind ihm auch die Gefängnisse und Gefangenen unterstellt. Er hat für die Sicherheit des Herrn zu bürgen und stellt daher Türhüter an den Häusern, besonders vor den Schlafkammern. Bei Festen empfängt er die Gäste und weißt ihnen die Quartiere an. Im Kriegsfall ist er für die Ordnung im Heer zuständig und ihm allein obliegt die Wahl des Lagerplatzes bei Heerzügen. (Deutsches Leben im 12. & 13. Jahrhundert, Sammlung Göschen, 1914) dargestellt von Matthias H. Herzer

Hermann Goldacker oder auch Hermann von Goldacker entspringt einer Seitenlinie der Familie Gans, die sich auch nach ihrem Stammsitz Weberstedt oder Gans von Weberstedt, nannte. Über seine Geburts- und Sterbedaten liegen keine Angaben vor. Überliefert ist das er zwei Brüder hatte, Jungmann und Jan. Hermann Goldacker war Marschall unter Landgraf Albrecht „dem Entarteten“ und auch unter dessen Sohn Markgraf Friedrich „dem Freidigen“.

1303, nach dem Tode Kunigunde von Eisenberg, der zweiten Gemahlin Landgraf Albrecht sollten die frommen Schwestern zu Gotha [Kreuzkloster] alljährlich zum Andenken an diese eine kirchliche Feier veranstalten mit allen gewöhnlichen guten Werken zur Erinnerung an die Verstorbene. Zur Körperstärkung sollten sie dann 3 Ferkel mit Wein, Bier, Fischen und dergleichen Erhalten. In der darüber ausgestellten Urkunde werden mehrere Thüringer Ritter als Zeugen genannt, u.a. Friedrich von Hettstedt (Hetstete), Eberhard von Malsleben (Malsleybin) mit seinem Sohn Kunemund, und Hermann von Mihla (Miela).

Kurze Zeit später genehmigt Friedrich der Freidige auf der Wartburg jene Bestimmungen seines Vaters. Zu den oben genannten Zeugen, die in dieser Genehmigung als Gefolge des Landgrafen bezeichnet werden, kommen noch der Hofmeister (magister curiae) Hermann von Hirsingerode und Hermannus Goldackir hinzu.

Die geschichtlich relevantere Bühne betritt Hermann Goldacker 1304, als der Erfurter Stadtrat, Burggraf Otto I. von Kirchberg beschuldigte, den Landfrieden gebrochen zu haben. Oberster Landfriedensrichter in Thüringen war zu jener Zeit Landgraf Albrecht der Entartete. Dieser entsandte unverzüglich eine Streitmacht unter Führung seines Marschalls Hermann Goldacker. Der „Dreistädtebund“ dem Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen angehörten unterstützten ebenfalls Hermann Goldackers Vollstreckungsheer indem sie eigene Truppen zuführten. Zu den Parteigängern Landgraf Albrechts und Erfurts zählten zudem noch der Graf Hermann von Orlamünde und die Brüder Hermann und Albrecht von Lobdeburg – Leuchtenburg. So war in nur anderthalb Monaten das Schicksal der Kirchberger Burggrafen besiegelt.

Am 11. April 1305 kommt es auf der Wartburg unter Albrecht dem Entarteten zur Ausstellung mehrerer Urkunden, wovon in Zweien Hermann Goldacker als Zeuge erscheint. Jeweils in einer Kaufbestätigung und einem Lehnbrief. In beiden Fällen werden auch Hermann und Heinrich von Mihla als Zeugen genannt.

Am 28. August 1306 kommt es unter Friedrich dem Freidigen zu einer Kaubestätigung in welcher Dietrich, Burggraf von Kirchberg (Theod. Burchgravius de Kirchberc iunior) und Herm. Goltacker miles noster genannt werden.

Da Hermann Goldacker zu den Rittern Landgraf Albrecht des Entarteten gehörte, ist zu vermuten das er sich im Winter 1306, genauso wie Albrecht, dessen Frau und Elisabeth von Arnshaugk, der Gemahlin Friedrich des Freidigen, auf der Wartburg aufhielt, als diese durch Eisenacher Bürger belagert wurde. Dies scheint auch die auf der Wartburg ausgestellte Urkunde vom 18. Januar 1307 zu bestätigen.

Nachdem Friedrich der Freidige gemeinsam mit seinem Schwager, dem Herzog Heinrich von Braunschweig die Burg entsetzen konnte, ließ er sich in besagter Urkunde von seinem Vater zum Mitbesitzer der Wartburg ernennen. In dieser wird ebenfalls Hermann Goldacker genannt und als Burghauptmann bezeichnet: „Des habe wi di turme unde das huiz zu Wartperg geantwortit Hermanne Goltackire …“.

1309 bestätigt Friedrich der Freidige den Verkauf einer Mühle durch das Kloster Reinhardsbrunn an das Kreuzkloster zu Gotha, der bereits 1303 stattgefunden hatte. Die Zeugen waren neben dem landgräflichen Protonotar Walther, u.a. Eberhard von Malsleben, Friedrich von Hettstedt und Hermann Goldacker, allesamt Ritter (milites).

Am 23. Oktober 1311 genehmigt die Herzogin Agnes von Braunschweig, mit Zustimmung ihres Gemahls, die durch ihren Bruder (Friedrich den Freidigen) vermittelte Verlobung ihrer Tochter Mechthild mit Johann von Werle. In dieser in Eisenach ausgestellten Urkunde werden als Zeugen unter anderem Heinrich von Mihla und Hermannus dictus Goltacker genannt. 

Die Ratsmeister, die Ratsleute und die vier Gemeinden der Stadt Erfurt bezeugen am 31. Juli 1315 die Verpfändung der Grafschaft an der schmalen Gera durch „deme edelin fursten lantgraven Frideriche von Duringen, marcgrawen zcu Misene und in deme Osterlande und herren in deme lande zcu Plisene“ an die Stadt Erfurt. Als Zeuge tritt neben den Grafen Gunther von Käfernburg und Gunther von Schwarzburg auch her Herman Goltacker auf.

1317 gibt der Graf Heinrich von Orlamünde in einer in Gotha ausgestellten Urkunde seine Zustimmung über den Verkauf einer Mühle, die bereits 1312 von Eberhard von Malsleben (Molschleben) und seinem Sohn Kunemund an Dietrich von Siebleben und Heinrich Wizwerch verkauft wurde. Unterzeichner dieser Urkunde sind u.a. Walther, der Protonotar Landgraf Friedrichs, Graf Friedrich „der Jüngere“ von Beichlingen und Hermann Goltacker, Ritter.

Im Oktober 1317 kommt es ebenfalls in Gotha zur Ausstellung einer Urkunde in der Landgraf Friedrich der Freidige mit Zustimmung seiner Gemahlin Elisabeth, seines Sohnes Friedrich und seiner Tochter Elisabeth dem Kreuzkloster zu Gotha 7,5 Hufen Land nebst 5 Höfen und Zubehör in Tüttleben übereignet. Unter anderen werden als Zeugen Heinrich Kämmerer von Fahner, Hermann Goldacker als landgräflicher Marschall und der Ritter Junomannus Goldacker genannt.

Ebenfalls 1317 kommt es zur Ausstellung von drei Urkunden mit dem Selben Sachverhalt. Jutta, die Witwe Kunemunds von Mihla verkauft mit Einwilligung ihrer Söhne Hermann, Friedrich und Albert dem Präpositus (Aufseher, Probst) von Elnde das Dorf Flensinges mit allem Zubehör für 24 Mark probehaltiges Silber. Statt ihrer untersiegelten u.a.: Albert von Brandenburg und Johannes, genannt Slune.

Der Abt und Konvent des Klosters Reinhardsbrunn billigen diesen Handel in einer eigenen Urkunde, in welcher als Zeugen genannt werden: Ludwig und Gerlach Gebrüder, genannt von Brandenburg, Friedrich und Hermann, genannt Jorebelle, Konrad von Ammern, Burgmann zu Creuzburg. Am 22. Dezember 1317 bestätigt auch Landgraf Friedrich der Freidige in Gotha diesen Kauf. Zeugen u.a.: Günther, Graf von Schwarzburg; Hermann, genannt von Goldacker, Marschall, und Junkmann, sein Bruder.

Auch die Quittung des Kaufs ist erhalten. Am 28. November 1317 untersiegelten Diese Albert von Brandenburg und Johannes von Schlotheim (Slatheym). Zeugen sind unter anderem: Reinhard, Hermann und Ludwig, genannt von Creuzburg. Aus dieser Quittung erhalten wir auch den Namen des Präpositus – Heinrich von Mihla.

Am 27. Oktober 1322 stellt Landgräfin Elisabeth (von Arnshaugk) auf der Wartburg eine Urkunde aus in der sie Hermann Goldacker und seinen Brüdern die Burg zu Grüningen für 300 Mark Silber verpfändet:

„Wie Elzebethe, von gots gnaden lantgreuinne zcu Duringen, marcgreuinne zcu Misne und in dem Osterland und vrowe in dem land zcu Plisne, bechennen an disem offenen brife, das wie Hermanne Goltacker dem rittere und sinen bruderen und sinen erben, daz hus Gruningen und was dazcu gehort gesaczt haben vor drihundert marg lotiges silbers Erfordischs gewichtes, …“

 [aus „Friedrich der Freidige und die Wettiner seiner Zeit“ von Dr. Franz Wegele, 1870].

In dieser Urkunde werden auch Jungmann (Juncman) und Jan als seine Brüder genannt. Als Bürgen werden Titzmann (Tizcel) und Friedrich (Fritze) von Weberstedt (Webirstete) sowie Bertold und Heinrich von Nesselrieden (Nezzelrite) erwähnt. Zeugen sind unter anderem: Graf Heinrich von Schwarzburg, Albrecht, Burggraf von Altenburg, Vogt Heinrich Reuss von Plauen und Heinrich der Ältere, Vogt von Gera. Als Marschall zeugt hier Petir Porzk (unse marschalk). Hieraus ist zu schließen, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt Hermann Goldacker nicht mehr landgräflicher Marschall war.

Am 4. 9. 1324 räumen Hermann Goldacker und Titzmann (Thyzelo) von Weberstedt das Gut zu Ballenhausen (nahe Weißensee), das ihnen Friedrich der Freidige verpfändet hatte.

Im Kloster Reinhardsbrunn wurde letztendlich am 18. Juli 1332 eine Urkunde mit recht humorvollem Inhalt ausgestellt: Hermann, genannt Goltacker, Ritter, welchem die Advocatie über 6 dem Kloster gehörige Hufen zu Tophstädt zustand, scheint mehr genommen zu haben als er durfte. Er verpflichtet sich daher, wie der Official Hermann, der Scholasticus und Syffrid, der Cantor am Marienstift zu Erfurt, bezeugen, nicht mehr zu nehmen als er gekauft habe, nämlich 2 Malter, 1 Viert. Hafer Erfurter Maaß, 9 Virding Gold Nordhäuser Währung, 6 Soliden Denare und einige junge Hühner.“ (aus „Urkundliche Geschichte des Klosters Reinhardsbrunn“ von Dr. J. H. Möller, Gotha 1843)

Mit dieser Urkunde enden die bisher gefundenen Aufzeichnungen über das Leben und Wirken Hermann Goldackers.