Eberhard von Malsleben
Landgräflicher Castellan in Gotha

 

 





dargestellt von Patrick RomanusDie Castellane oder Burgmannen bildeten die zahlreichste Gruppe der Ministerialen. Ihnen oblag die Verwaltung und Sicherung von Burgen, Wehranlagen (Stadtmauern, Stadttürme) und öffentlichen Gebäuden. Oftmals waren sie auch für die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit zuständig oder traten als Zeugen, Schöffen, Schiedsrichter und Urteiler auf. Burgmänner brachten Familie, Gesinde und Kriegsknechte mit.

Eberhard von Malsleben erscheint urkundlich in den Jahren 1280 bis 1347 und war landgräflicher Burgmann zu Gotha. Er war mit Agnes, einer Tochter Heinemanns von Hayn vermählt. Mit ihr hatte er einen Sohn, Kunemund. Kunemund wiederum hatte 3 Söhne, Dietrich, Eberhard, Heinrich und 3 Töchter, Agnes, Helinburg und Mechthild.

Der Ahnherr derer von Malsleben, dem heutigen Molschleben, war Kunimund der Grosse von Eckartsberga (1194/1203). Ihm folgt Kunimund von Cobstädt (der Ältere), Schöffe zu Gotha, der sich 1251 und 1253 „von Malsleben“ nennt. Kunimund hatte zwei Söhne Heinrich (1256/1285) und Kunimund der Jüngere (1273/1280). Jener Kunimund hatte wiederum zwei Söhne, Heinrich und Eberhard. Heinrich war Kanonikus (Kanoniker: Eine Gemeinschaft von Klerikern, die als Angehörige eines Kathedral-, Dom- oder Stiftskapitels gemeinsam Liturgie feiern und ein Leben nach mönchischem Vorbild führen) zu Sankt Marien in Erfurt (1280/1316). Weiterhin erscheint in Urkunden Heinrich von Malsleben, ein Vetter Eberhards, als Schöffe in Gotha (1284/1287).

1287 erwarb das Kreuzkloster in Gotha 2 Hufen Land in Siebleben von den Gebrüdern Eberhard und Heinrich von Malsleben, mit Bewilligung der Gattin Eberhards, Agnes [von Hayn], und seines einzigen Sohnes Kunemund. Den Verkauf bestätigt das Stadtgericht, präsidiert durch den Schultheiß Gyselherus, vor Zeugen: Heinrich von Malsleben, Heinrich Wendepfaff u.a.

Am 18. Mai 1292 verkauft der Ritter Eberhard von Malsleben dem Kreuzkloster in Gotha 1 Hufe in der Flur der Stadt Gotha, welche Conrad von Buffleben als Erbe besitzt, für 9 Mark gangbares Geld, doch so, dass, wenn er binnen 2 Jahren das Geld nicht zurückzahlt, das Kloster nur noch 1 Mark nachzahlen soll, um in den ewigen Besitz der Hufe zu gelangen. Zeugen: Eckard, Pleban der Marienkirche in Gotha; Theodericus, Rector und Lehrer der Knaben daselbst u.a.

Am 21. Dezember 1293 belehnt Albrecht, Landgraf von Thüringen, Pfalzgraf von Sachsen gegen 80 Mark Silber den Erfurter Bürger Heinrich Vizthum und dessen Erben mit dem Halsgerichte zu Dachwig und 10 Mark Silber jährlicher Zinsen. Zeugen sind unter anderem: Hermann Kämmerer von Fahner senior, Albert von Brandenberg, Heinemannus de Hain senior, Hofmeister Hermann, Eberhardus de Malsleiben, Heinemannus de Hain iunior.

Die Mühle bei dem Dorfe Mittelhausen verkaufte 1295 der Ritter Eberhard von Malsleyben mit Willen seiner Frau Agnes und seines Sohnes Kunimund dem Kreuzkloster in Gotha. Zeugen: Eckard, Pleban der Marienkirche in Gotha; Theodericus, Rector der Schule (scolarum) daselbst; Heinricus de Hain, Castellan in Gotha.

Im Jahre 1281 übertrug Landgraf Albrecht dem Kreuzkloster in Gotha das Patronatsrecht in der Marienkirche. 21 Jahre später, am 11. August 1302 gab Diezmann (Theodericus jun.) in Erfurt seine Beistimmung in Gegenwart der Grafen Friedrich und Bertold von Rabenswalde, Gunther von Schwarzburg, Heinrich und Friedrich von Beichlingen, Theoderich von Hohenstein, ferner Theoderich und Otto von Almenhausen und Eberhard von Malsleben. Nachdem auch Friedrich der Freidige seine Zustimmung gab, bestätigt 1303 auch Albrecht, Landgraf von Thüringen, Pfalzgraf von Sachsen abschließend diesen Vorgang. Unter anderem werden als Zeugen Bruder Heinrich, Provisor der Zelle des heiligen Johannes, Friedrich von Hettstedt, Eberhardus de Malsleybin, Ritter (milites) und Heinemann von Hayn genannt.

1301 erteilt Landgraf Albert dem Kreuzkloster in Gotha das Privilegium alles annehmen zu dürfen, was ihm etwa dargeboten werden möchte, innerhalb und außerhalb der Stadt, Wohnstätte, Höfe, Häuser, Felder, Äcker, Wiesen, Weiden usw., sei es als Geschenk, Legat oder Kauf. Zeugen: Ritter Eberhard von Malsleben; Heinrich von Hayn; Konrad von Ammern, Protonotar; Wilhelm, Notar des Landgrafen.

1303, nach dem Tode Kunigunde von Eisenberg, der zweiten Gemahlin Landgraf Albrecht sollten die frommen Schwestern zu Gotha [Kreuzkloster] alljährlich zum Andenken an diese eine kirchliche Feier veranstalten mit allen gewöhnlichen guten Werken zur Erinnerung an die Verstorbene. Zur Körperstärkung sollten sie dann 3 Ferkel mit Wein, Bier, Fischen und dergleichen Erhalten. In der darüber ausgestellten Urkunde werden mehrere Thüringer Ritter als Zeugen genannt, u.a. Friedrich von Hettstedt, Eberhardus de Malsleybin et Kunemundus ejus filius (mit seinem Sohn Kunemund), und Hermann von Mihla.

Kurze Zeit später genehmigt Friedrich der Freidige auf der Wartburg jene Bestimmungen seines Vaters. Zu den oben genannten Zeugen, die in dieser Genehmigung als Gefolge des Landgrafen bezeichnet werden, kommen noch der Hofmeister (magister curiae) Hermann von Hirsingerode und Hermann Goldacker hinzu.

Ebenfalls 1303 verkauft das Kloster Reinhardsbrunn eine Mühle an das Kreuzkloster in Gotha. Als Zeugen treten unter anderem Friedrich von Hettstedt und Eberhard von Malsleben auf.

Am 25. April 1307 beurkundet Diezmann, jüngerer Landgraf von Thüringen, Markgraf im Osterland und Herr zu Groitzsch, den mit seinem Bruder, dem Markgrafen Friedrich von Meißen, geschlossenen Vergleich [„Wie Dietherich, von gotes gnaden iunger langraue in Dorngen, margraue im Osterlande unde herre Groitz, bikennen an disme genwerdichen brife unde tun kunt alle den, die en gehorn lesen oder gesen, daz wie mit unseme lyben brudere, marcgrauen Frideriche von Myssene, nach unser getruwen lute rathe, gutliche voreint sint alle der buche, die zussen uns biz geweset sin. …“]. Zeugen sind unter anderem: Eberhard von Malsleibin, Friedrich von Hettstedt unde der ersam man Wibold von dem Vorste.

1309 bestätigt Friedrich der Freidige den Verkauf einer Mühle durch das Kloster Reinhardsbrunn an das Kreuzkloster zu Gotha, der bereits 1303 stattgefunden hatte. Die Zeugen waren neben Walther Protonotar des Landgrafen Friedrich, u.a. Eberhard von Malsleben, Friedrich von Hettstedt und Hermann Goldacker, allesamt Ritter (milites).

Am 23. April 1314 schenkte Landgraf Friedrich der Freidige dem Kreuzkloster in Gotha den Wald „Tatenberg“. Dieser erstreckte sich vom Wasser Laucha bis zum Bache „Mulbach“, von da zum Bächlein „Rothenbach“, dann zu einem kleinen Sumpfe, von wo er sich wieder zum „Mulbach“ wendet. Zeugen u.a.: Eberhard von Malsleben und Magister Walther, Protonotar des Landgrafen.

Als das Kreuzkloster in Gotha 1329 in finanzielle Bedrängnisse geriet, legte sich Landgräfin Elisabeth, die ihren Wohnsitz als Witwe in Gotha genommen hatte, ins Mittel, kaufte dem Kloster 3 Hufen Land für 66 Mark probehaltiges Silber ab und wies diese 66 Mark auf ihre „Leibgedingszinsen“ an. Nach ihrem Tode sollten die Hufen wieder an das Kloster zurückfallen und dafür Gebete für das Seelenheil ihres verstorbenen Gemahls, die üblichen Vigilien und Messen aber zu ihrem Andenken jährlich gehalten werden. Zeugen: Heinrich, Vogt von Plauen, der Landgräfin Oheim; Eberhard von Malsleben; Dietrich von Siebleben; Heinemannus Abbt, ihr Schultheiß in Gotha. Im selben Jahr gibt hierzu ihr Sohn Friedrich seine Zustimmung. Neben den oben genannten Zeugen kommen noch Graf Gunther von Schwarzburg, Graf Gunther von Käfernburg und Werner, Kaplan der Landgräfin hinzu.